Bambusgärten und Bambusammlungen: Orte, die eine Reise wert sind
Bambus gehört zu den faszinierendsten Pflanzengruppen der Erde. Als Gras, das die Größe eines Baumes erreicht, überschreitet er die üblichen Kategorien der Botanik. Einige Arten wachsen unter tropischen Bedingungen um mehrere Zentimeter pro Stunde — tatsächlich nachweisbar mit bloßem Auge unter optimalen Bedingungen. Andere Arten sind winterhart genug, um in mitteleuropäischen Gärten dauerhaft zu gedeihen. Das Spektrum der Gattung Bambusoideae umfasst etwa 1.600 Arten, die von den tropischen Tieflagen bis in Höhen von über 4.000 Metern in den Anden und im Himalaya vorkommen.
Die Kultivierung und Präsentation von Bambus als Gartengestaltungselement hat eine lange Geschichte in Ostasien. In China und Japan wurde Bambus seit mindestens 2.000 Jahren in Gärten verwendet — nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern wegen seiner symbolischen Bedeutung. Bambus beugt sich im Wind, bricht aber nicht: Ein klassisches Symbol für Flexibilität und Ausdauer in der konfuzianischen und buddhistischen Bildtradition. Die Gestaltung von Bambusgärten entwickelte sich parallel zu diesen philosophischen Traditionen.
Sagano Bambushain, Arashiyama (Japan)
Der Bambushain von Sagano in Arashiyama am westlichen Stadtrand von Kyoto gehört zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten Japans. Der Weg durch den Hain — überwiegend Phyllostachys edulis, der sogenannte Moso-Bambus — ist als einer der bedeutendsten akustischen Landschaften Japans offiziell anerkannt. Das Rauschen der Halme im Wind, das Knacken bei stärkerem Luftzug, und das Licht, das zwischen den Stämmen hindurchfiltert, schaffen eine sensorische Erfahrung, die fotografisch nur annäherungsweise zu reproduzieren ist. Der Hain gehört zum Tenryu-ji-Tempelkomplex und wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Jardin de Bambous, Prafrance (Frankreich)
Die Bambouseraie de Prafrance in der Region Gard, südlich von Alès in Südfrankreich, wurde 1855 von Eugène Mazel gegründet und ist eine der ältesten und bedeutendsten Bambusgärten Europas. Mazel hatte auf Reisen in China und Japan Bambus kennengelernt und war überzeugt, dass das mediterrane Klima des südfranzösischen Gard-Departements für die Kultivierung asiatischer Bambusarten geeignet sei. Er hatte Recht: Heute wächst Phyllostachys edulis in Prafrance in Halmen von bis zu 25 Metern Höhe. Die Bambouseraie umfasst etwa 35 Hektar und enthält über 200 Bambusarten aus allen Klimazonen. Entdecken Sie weitere Bambusgärten auf der Karte.
Golden Gate Park Bamboo Garden, San Francisco (USA)
Der Japanese Tea Garden im Golden Gate Park in San Francisco beherbergt eine der bedeutendsten Bambusgärten der amerikanischen Westküste. Der Garten wurde 1894 für die California Midwinter International Exposition angelegt und von dem japanischen Gartenkünstler Makoto Hagiwara über Jahrzehnte gestaltet. Die Bambusgärtnereien innerhalb des Teegartenbereichs enthalten seltene amerikanisierte Kultivare sowie originale japanische Taxa, die von den Hagiwara-Generationen seit dem 19. Jahrhundert gepflegt wurden. Der Golden Gate Park enthält auch separate Bambuspflanzungen in seinen Hinterbereichen, die botanische Sammlungsfunktionen erfüllen.
Phyllostachys-Hain des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem (Deutschland)
Der Botanische Garten Berlin-Dahlem besitzt eine der vollständigsten Bambussammlungen Mitteleuropas, mit besonderem Schwerpunkt auf winterharten Arten und Gattungen. Die Berliner Bedingungen — kontinentale Kälte, die tropische Arten definitiv ausschließt — haben die Sammlung zwangsläufig auf jene Bambusse konzentriert, die echte Winterhärte demonstrieren können. Darunter befinden sich Exemplare von Fargesia murielae, Fargesia nitida und verschiedene Phyllostachys-Arten, die bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius unbeschadet überwintert haben. Die Sammlung wird aktiv für phänologische Forschung genutzt.
The Strybing Arboretum Bamboo Garden, San Francisco (USA)
Das San Francisco Botanical Garden im Golden Gate Park unterhält neben dem benachbarten Teegarten eine eigenständige Bambusabteilung im Rahmen seiner asiatischen Pflanzensammlungen. Hier sind besonders die seltenen Bambusse der Gattungen Chimonobambusa, Indocalamus und Semiarundinaria vertreten — Gattungen, die in botanischen Sammlungen außerhalb Ostasiens selten zu finden sind. Das milde ozeanische Klima San Franciscos ermöglicht die Kultivierung von Arten, die weder in den kontinentalen USA noch in Europa gedeihen würden.
Botanischer Garten Zürich (Schweiz)
Der Botanische Garten der Universität Zürich unterhält eine sorgfältig dokumentierte Bambussammlung, die für Forschungszwecke auf Grundlage geographischer Herkunft und botanischer Verwandtschaft geordnet ist. Besonders wertvolle Elemente der Züricher Sammlung sind die dokumentierten Blühzyklen verschiedener Bambusarten — Bambus blüht in sehr langen, artspezifischen Abständen, und die lückenlosen Aufzeichnungen über mehrere Generationen ermöglichen Aussagen über Blührhythmen, die andernorts nicht möglich wären. Nach der Blüte sterben die meisten Bambuspflanzen ab, was Blühereignisse in Sammlungen sowohl botanisch bedeutsam als auch gärtnerisch einschneidend macht.
Isuien Garden Bambus, Nara (Japan)
Der Isuien-Garten in Nara, der im 17. Jahrhundert angelegt und im frühen 20. Jahrhundert erweitert wurde, verwendet Bambus als integrales Strukturelement der traditionellen japanischen Gartengestaltung. Im Gegensatz zu Sagano, wo der Bambus das Hauptschauspiel ist, spielt er in Isuien eine kompositorische Rolle — er rahmt Ausblicke, definiert Räume und kontrastiert mit dem offenen Wasser der Teiche. Die Art, wie japanische Gartengestalter Bambus als Raumteiler und Sichtschutz verwenden, ohne ihn mechanisch zu beschneiden, gehört zu den verfeinertsten Aspekten der Gartenkunst dieser Tradition.
Penjing Museum Shanghai (China)
Das Penjing Museum im Yu Yuan Garden-Komplex in Shanghai zeigt neben miniaturisierten Landschaften auch eine bedeutende Sammlung von Zwergbambus-Kultivaren, die in der chinesischen Penjing-Tradition (der Mutterkunst des japanischen Bonsai) verwendet werden. Die Sammlung umfasst seltene Kultivare von Sasaella, Pleioblastus und Shibataea — kleine, gedrungene Bambusarten, die für Miniaturlandschaften besonders geeignet sind. Das Museum gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist in seiner Bambuskeramiksammlung einzigartig.
Bambusgarten im Nymphenburger Schlosspark, München (Deutschland)
Der Schlosspark Nymphenburg in München enthält im Bereich seiner botanischen Nebenanlage, dem Botanischen Garten München-Nymphenburg, eine kleine aber gut gepflegte Bambusabteilung, die besonders winterharte europäisierte Sorten präsentiert. Der Münchener Bambusbestand dient auch als Anschauungsmaterial für Gartengestaltungsstudenten der Technischen Universität München. Die Möglichkeit, Bambus in einem historischen Parkkontext des 18. Jahrhunderts zu erleben, schafft eine ungewöhnliche Zeitschichtung zwischen barocker Gartenstruktur und asiatischer Pflanzentradition.
Bambus und seine Zukunft in europäischen Gärten
Das Interesse an Bambus in europäischen Gärten ist in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich gewachsen. Der Klimawandel erweitert die Anbaugrenzen für weniger winterharte Arten kontinuierlich nach Norden, und der steigende Wunsch nach pflegeleichten, schnellwachsenden Sichtschutzpflanzen hat Bambus in privaten Gärten populär gemacht. Gleichzeitig hat diese Popularität zu einer wachsenden Verbreitung invasiver Bambusarten geführt, die in natürliche Ökosysteme eindringen und heimische Vegetation verdrängen können. Spezialisierte Bambusgärten erfüllen deshalb auch eine Bildungsfunktion: Sie zeigen, welche Arten invasiv sind und wie andere kontrolliert kultiviert werden können.