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Die besten Kakteen- und Sukkulentengärten der Welt

Kakteen und Sukkulenten gehören zu den außergewöhnlichsten Pflanzengruppen der Erde. Ihre Fähigkeit, Wasser in Stamm, Blättern oder Wurzeln zu speichern und während langer Trockenperioden zu überleben, ist das Ergebnis von Jahrmillionen evolutionärer Selektion in Lebensräumen, die andere Pflanzen nicht besiedeln können. Kakteen sind ausschließlich in Amerika beheimatet — von Patagonien bis zur südlichen Provinz British Columbia in Kanada. Sukkulenten hingegen sind eine funktionale Kategorie, keine taxonomische: Pflanzen aus Dutzenden verschiedener Familien haben Sukkulenz unabhängig voneinander entwickelt, was besonders eindrücklich in der Gattungsvielfalt der afrikanischen und arabischen Sukkulentenflora sichtbar wird.

Die Kultivierung von Kakteen und Sukkulenten als Gartengestaltungselement hat in ariden Regionen eine lange Geschichte. Mexikanische Gärten nutzen seit vorspanischen Zeiten Sukkulenten wie Agaven und Yucca als strukturgebende Elemente. In Europa wurde die Kultivierung exotischer Sukkulenten nach der Entdeckung Amerikas in den Gewächshäusern der europäischen Fürstenhöfe zu einem Statussymbol. Die mediterrane Region entwickelte eigene Traditionen der Freilandkultivierung, die auf den mild-feuchten Wintern und heißen, trockenen Sommern des Mittelmeers beruhen.

Jardín Botánico del Desierto, Sonora (Mexiko)

Das Museo del Desierto in Saltillo, Coahuila, unterhält eines der bedeutendsten Kakteen- und Sukkulentendepots Mexikos, aber besonders bemerkenswert ist der Jardín Botánico del Desierto in Hermosillo, Sonora — im Herzen des Sonora-Wüstenbiotops. Die Sammlung zeigt Arten in ihrem natürlichen ökologischen Kontext, anstatt sie in geographisch zusammengewürfelten Beeten zu präsentieren. Der Garten dokumentiert besonders vollständig die Kakteenflora des Sonora-Becken, darunter die spektakuläre Carnegiea gigantea (Saguaro), die ausschließlich in der Sonora-Wüste vorkommt und unter Bundesschutz steht.

Desert Botanical Garden, Phoenix (USA)

Das Desert Botanical Garden in Phoenix, Arizona, ist eines der bekanntesten Kakteen- und Sukkulentengärten der Welt und das meistbesuchte botanische Gärten der USA. Die Sammlung umfasst über 50.000 Pflanzen in mehr als 4.000 Taxa, einschließlich einer der bedeutendsten Sammlungen von Agaven, Aloen und nordamerikanischen Kakteen. Der Garten ist auf einem natürlichen Sonora-Wüstengelände angelegt und zeigt Pflanzen in einem Kontext, der ihren natürlichen Lebensräumen sehr nahekommt. Besonders bemerkenswert ist die Sammlung seltener mexikanischer Kakteen, darunter mehrere Arten, die im Freiland nur noch in fragmentierten Populationen vorkommen.

Huntington Desert Garden, San Marino (USA)

Der Desert Garden im Huntington Botanical Gardens in San Marino, Kalifornien, wurde 1905 von William Hertrich angelegt und ist eine der ältesten und bedeutendsten Sukkulentensammlungen der westlichen Hemisphäre. Auf etwa 4 Hektar wachsen über 5.000 Arten und Kultivare von Sukkulenten und Kakteen im Freiland — ermöglicht durch das milde südkalifornische Klima. Die Aloe-Sammlung, die im Januar mit über 100 gleichzeitig blühenden Arten ein spektakuläres Farbschauspiel bietet, ist eine der vollständigsten außerhalb Afrikas. Der Garden enthält auch historische Mammillaria- und Cereus-Bepflanzungen aus der Gründungszeit, die zu den ältesten kultivierten Exemplaren dieser Gattungen in Nordamerika gehören.

Nong Nooch Tropical Garden Cactus Section, Pattaya (Thailand)

Nong Nooch bei Pattaya ist vor allem für seine tropischen Gärten bekannt, beherbergt aber eine der größten Kakteen- und Sukkulentensammlungen Südostasiens. Die klimatischen Bedingungen Thailands — heiß und feucht — erfordern besondere Kultivierungsmaßnahmen für Wüstenpflanzen, was die Nong-Nooch-Sammlung zu einem interessanten Beispiel für die Kultivierung von Sukkulenten außerhalb ihrer natürlichen Klimazonen macht. Die Sammlung umfasst mehrere tausend Arten und enthält seltene Primärexemplare mexikanischer Kakteen, die in Thailand wesentlich freier gehandelt werden als in ihren Herkunftsländern.

Giardino Botanico Hanbury, Ventimiglia (Italien)

Der 1867 von Thomas Hanbury angelegte Botanische Garten an der ligurischen Küste nahe der französischen Grenze enthält eine der ältesten Freiland-Sukkulentensammlungen Europas. Das milde Ligurische Klima — frostfrei in normalen Wintern, heiß und trocken im Sommer — ermöglicht die Kultivierung afrikanischer Aloen, Mesembryanthemum-Arten und nordafrikanischer Sukkulenten im Freien. Der Hanbury-Garten gehört zur Universität Genua und ist restauriert worden, nachdem er im 20. Jahrhundert in Verfall geraten war. Erkunden Sie auf der Karte weitere mediterrane Sukkulentengärten.

Kirstenbosch Succulent Garden, Kapstadt (Südafrika)

Die Sukkulentenabteilung der Kirstenbosch National Botanical Garden zeigt die außergewöhnliche Artenvielfalt der südafrikanischen Sukkulentenflora — einem der reichsten Sukkulentenlebensräume der Erde. Der Succulent Karoo im Nordkap ist die einzige arktische Wüste der Erde, die als biodiversitativer Hotspot ausgewiesen ist, und Kirstenbosch bewahrt und zeigt die Vielfalt dieser Region mit wissenschaftlicher Strenge. Besonders vollständig vertreten sind die Mesembryanthemaceae — eine Familie von über 1.800 Sukkulentenarten, die fast ausschließlich in der südafrikanischen Karoo vorkommt.

Chelsea Physic Garden Succulents, London (Großbritannien)

Das Chelsea Physic Garden in London beherbergt eine historisch bedeutsame Sukkulentensammlung, die auf medizinische und ethnobotanische Nutzung fokussiert ist. Die Sammlung enthält gut dokumentierte Exemplare von Aloe vera, der im Mittelmeerraum und Nahen Osten traditionell medizinisch verwendeten Aloe-Art, sowie Agave americana, deren vielfältige Nutzungsmöglichkeiten in Mesoamerika über Jahrhunderte dokumentiert sind. Die Gewächshausabteilung des Chelsea Physic Gardens zeigt tropische Sukkulenten, die im britischen Außenklima nicht kultivierbar wären, darunter madagassische Euphorbia-Arten.

Botanischer Garten Frankfurt, Kakteenhäuser (Deutschland)

Der Botanische Garten der Goethe-Universität Frankfurt unterhält eine der bedeutendsten Kakteen- und Sukkulentensammlungen im deutschsprachigen Raum, mit besonderem Schwerpunkt auf mexikanischen und zentralamerikanischen Arten. Die Frankfurter Sammlung enthält mehrere Exemplare von Kakteenarten, die in Mexico mittlerweile durch Wildsammlung und Habitatverlust extrem selten geworden sind, darunter Aztekium ritteri und Strombocactus disciformis — Arten, die ausschließlich in winzigen Gebirgsnischen in Mexiko vorkommen und durch Übersammlung für den Sammlungsmarkt bedroht sind. Die Erhaltung dieser Arten in ex-situ-Sammlungen ist deshalb von erheblicher naturschutzfachlicher Bedeutung.

Jardin Exotique de Monaco

Der Jardin Exotique von Monaco, an einem steilen Felsen über dem Mittelmeer gelegen, beherbergt eine der dramatischsten Sukkulenten- und Kakteensammlungen Europas. Seit 1933 werden hier Euphorbia-Arten, Ceropegia, Aeonium und Kakteen an natürlichem Kalkfels kultiviert. Das milde monegassische Klima und die direkte Südexposition der Felsanlage schaffen Bedingungen, die in Europa sonst nirgendwo herstellbar wären. Die Sammlung umfasst über 7.000 Pflanzen und ist besonders reich an großwüchsigen Euphorbiaceen aus Südafrika und den Kanarischen Inseln.

Sukkulenten und Klimawandel

Die globale Erwärmung stellt Kakteen- und Sukkulentengärten vor eigentümliche Herausforderungen. Einerseits macht steigendes Interesse an wassersparenden Gartengestaltungen in trockenen Regionen Sukkulenten als Gartenpflanzen attraktiver denn je. Andererseits sind viele Wildpopulationen der Arten, die in diesen Gärten gezeigt werden, durch den Klimawandel bedroht — nicht weil die Wüsten trockener werden, sondern weil Veränderungen in der Niederschlagsverteilung und extreme Hitzeereignisse außerhalb historischer Toleranzgrenzen liegen. Botanische Sammlungen erfüllen damit zunehmend eine Arche-Funktion für Arten, deren Freilandpopulationen in absehbarer Zeit gefährdet sein könnten.